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Buchtipps - Geschichte und Gesellschaft

Wenn die Menschheit Klimawandel und Krisen begegnen will, braucht es umfassende Transformations-prozesse. Wie diese Veränderungen angegangen werden und gelingen können, stellt Maja Göpel in ihrem zweiten Buch zum Thema dar. Lesbar und lesenswert identifiziert sie die Kippunkte gesellschaftlicher Prozesse, an denen sich Einfluss nehmen lässt. Denn: "Eine grosse Transformation zu einer besseren Welt für alle ist das grösste Abenteuer der Mensch-heit."

Nach der "Wolfszeit" nimmt sich Harald Jähner nun den Höhenrausch der Zeit zwischen den Weltkriegen vor und entfaltet das unglaubliche Panorama der Zwanziger Jahre zwischen der Arbeitslosigkeit der einen und dem Lebensstil der Reichen und Wichtigen. Unterhaltsam, aber nie platt stellt er die verschiedenen Aspekte dieser turbulenten Zeit vor: die neue Sachlichkeit in der Kunst, die Explosion des Individualverkehrs, das Auftauchen der neuen Schicht der Angestellten, den Kampf um Frauenrechte und die erbitterten Straßenkämpfe.

Wie funktioniert eigentlich Demokratie? Welche Rolle spielt dabei die Wirtschaft? Und die Medien? Marietta Slomka, eine der bekanntesten deutschen Journalistinnen, erklärt humorvoll und kurzweilig, wie der deutsche Staat funktioniert und wie Entscheidungen getroffen werden. Großartig zum Nachlesen, endlich-Kapieren und ein tolles Geschenk für nicht nur für Jugendliche und Erstwähler:innen.  

Tupoka Ogette ist eine der bekanntesten Beraterinnen für Rassismuskritik und Antirassismus in Deutschland. Nach ihrem wegweisenden Buch Exit Racism, gibt sie hier konkrete Anregungen zum rassismuskritischen Leben für nichtbetroffene Menschen. Sie macht deutlich, dass rassistische Denkmuster oft unbewusst sind und aktiv ent-lernt werden müssen und stellt sofort umsetzbare Tipps für den antirassistischen Alltag in Familie, Schule, Beruf und Freizeit vor.

Manfred Gans wuchs in Borken auf und erlebte dort als jüdischer Junge Ausgrenzung und Diskriminierung. 1938 kann er als 16jähriger nach England auswandern. 1945 kommt er als Soldat einer englischen Spezialeinheit zurück und macht sich auf den Weg durch das zerstörte Deutschland nach Theresienstadt, um seine Eltern zu finden. Eine atemberaubende, ergreifende Geschichte, die gar nicht weit entfernt von Münster ihren Anfang nach, illustriert mit zahlreichen Fotos, Briefen und Originaldokumenten.

"Lieber Gott, ich war jetzt mein halbes Leben lang ein Mensch. Kann ich die zweite Hälfte ein Stein sein?" Wie immer super schwarzhumorig und voller Sarkasmus - ich liebe Tobias Vogels Humor!

Simon Sebag Montefiore ist einer meiner liebsten Autoren historischer Sachbücher. Ob über die Romanows, die Stadt Jerusalem, immer sind seine Bücher hochintelligent und spannend. Diesmal widmet er sich den Briefen, die Geschichte erzählen. Wichtig oder unwichtig für den Verlauf der Weltgeschichte, immer sind die Briefe in dieser Sammlung Zeugnisse großer Geschichte und privater Momente. Ob Michelangelo, Stalin oder Lucrezia Borgia, alle haben Briefe geschrieben und lassen uns heute teilhaben an Machtstreben, verzweifelter Liebe oder ganz alltäglichem Alltag.

Was ist nicht alles passiert in der Zeit zwischen 1840 und 1914 in der Geschichte der Medizin: die grundlegende Hygiene, die Anfänge der Anästhesie und damit der Aufstieg der Chirurgie, die ersten Impfungen, die Diagnose mit Röntgenstrahlen... Roland Gerste erzählt die packende Geschichte des goldenen Zeitalters der Medizin und seiner Protagonisten. Abgerundet wird das ganze mit einem Ausblick, in dem auch die aktuelle Corona-Pandemie in einen historischen Zusammenhang gestellt wird. Auch toll als Hörbuch!

"Im Herbst...schlug mir der Guardian vor, eine wöchentliche Kolumne zu schreiben. Ich war geschmeichelt und ängstlich zugleich. Mit so etwas hatte ich keine Erfahrungen, und ich fürchtete, es nicht zu können. Nach langem Zögern teilte ich der Redaktion mit, dass ich den Vorschlag annehmen würde,wenn man mir eine Reihe von Fragen schickte, auf die ich jeweils mit der gebotenen Kürze antworten wollte." Und das Ist das Buch dazu!

Melodie Michelberger nimmt uns mit auf ihre ganz persönliche Reise. Aufgewachsen in einer Welt, die sich um Diäten, Modemagazine und Kalorienzählen dreht, bekommt sie schon als Kind zu spüren, was es heißt, nicht der Norm zu entsprechen. Schonungslos macht sie den Leserinnen klar, wie tief sich viele Stereotype in unseren Köpfen verankert haben, selbst dann, wenn man sich für aufgeklärt und frei von Vorurteilen hält. Die Autorin ist eine unglaublich sympathische Frau und regt mit ihrem autobiographischen Buch wirklich zum Nachdenken an.